Ehrenpreisträgerin 2019: Iris Berben

Zum achten Mal vergibt das Filmfestival Max Ophüls Preis einen Ehrenpreis für Verdienste um den jungen deutschsprachigen Film. Mit Iris Berben zeichnet das Festival eine der erfolgreichsten und vielseitigsten deutschen Schauspielerinnen aus.

© picture alliance/dpa/ Horst Galuschka

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Seit 2010 ist Iris Berben Präsidentin der Deutschen Filmakademie und vertritt in dieser Position die Interessen von über 1.800 kreativen Mitgliedern der Filmbranche. Festivalchefin Svenja Böttger: „Es ist uns eine große Ehre, mit diesem Preis eine Frau auszuzeichnen, die nicht nur als Schauspielerin Großes leistet, sondern mit ihrer Arbeit in der Deutschen Filmakademie auch immer wieder Flagge zeigt. Als Vorbild für persönliches Engagement lebt sie
seit vielen Jahren aktiv vor, für eine lebendige Kinokultur und die Pflege eines diversen Filmnachwuchses ebenso stark einzustehen wie für soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Ich freue mich sehr, Iris Berben im Januar in Saarbrücken begrüßen zu dürfen.”

Iris Berben begann ihre Karriere mit Kurzfilmen an der Hamburger Kunsthochschule und stand in Rudolf Thomes DETEKTIVE (1968) zum ersten Mal für einen abendfüllenden Kinofilm vor der Kamera. Seitdem spielte sie in zahlreichen Kino- und TV-Produktionen. Für ihre Rolle als Bertha Krupp („Krupp – Eine deutsche Familie“, 2009) war Iris Berben 2010 bei den amerikanischen Emmys als beste Schauspielerin nominiert.

Derzeit läuft in den deutschen Kinos Sönke Wortmanns Komödie DER VORNAME mit Iris Berben, davor sah man sie u. a. in Kinofilmen wie HANNE (2018), MISS SIXTY (2014) und ES KOMMT DER TAG (2009). Die ZDF-Reihe „Die Protokollantin“ (2018) ist aktuell noch in der Mediathek zu sehen.

Zu den vielfachen Auszeichnungen für ihre Leistungen zählen mehrfach der Adolf-Grimme-Preis, die Goldene Kamera, der Bambi, die Romy und der Bayerische Fernsehpreis für ihr Lebenswerk.

Darüber hinaus war es Iris Berben neben ihrer schauspielerischen Tätigkeit immer auch ein Anliegen, in der Öffentlichkeit Haltung zu zeigen und für Toleranz und Mitmenschlichkeit sowie gegen das Vergessen der Nazi-Diktatur und gegen Antisemitismus einzutreten. Für ihr politisches Engagement erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und wurde vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet. 2013 ehrte sie das Jüdische Museum Berlin mit dem Preis für Verständigung und Toleranz.

Politisiert wurde Iris Berben bereits in frühen Jahren. Als Teenager nahm sie Ende der 1960er Jahre an Demonstrationen in Hamburg teil und hatte engen Kontakt zur damaligen Studenten- und Protestbewegung. Sie setzte sich für Frauenrechte und Emanzipation ein – und war gleichzeitig Sexsymbol einer ganzen Generation. Ihr „Doppelleben“ als politische Person und populäre Künstlerin hat Iris Berben nie als Widerspruch begriffen, sondern immer wieder dazu genutzt, für sie relevante gesellschaftliche Themen in die öffentliche Debatte zu bringen.

Zum Vorbild für viele wurde die 68-Jährige in den letzten Jahren durch ihren Umgang mit dem fortschreitenden Alter. „Wäre das Gesicht ein Musikinstrument, dann wäre jede Falte eine weitere Saite“, sagte sie in einem „Spiegel“-Interview. Eine Grande Dame mit Ecken und Kanten, die bis heute die gesamte Klaviatur der Schauspielkunst beherrscht, von eindringlich ernst bis brüllend komisch.