HAUS KUMMERVELDT ODER WIE DIE ADLIGE LUISE HYSTERIE HEILTE, INDEM SIE SOLANGE SCHRIE, BIS IHR KORSETT VON DER TAILLE IN DES VATERLANDS FRESSE PLATZTE

Ende des 19. Jahrhunderts im Deutschen Kaiserreich. Luise von Kummerveldt (Milena Straube) und ihr Vater (Michael Goldberg), ein Baron, leben zusammen mit Hausdame und Diener auf einem Wasserschloss im Münsterland. Luises Leidenschaft ist die Literatur, sie will als berühmte Schriftstellerin in die Geschichte eingehen.
Gerade als sie ihr Manuskript an einen Verlag schicken will, stirbt ihr Vater, woraufhin Luises jüngerer Bruder Veit (Marcel Becker-Neu) ihr Vormund wird. Um seine Macht gegenüber seiner eigenwilligen Schwester zu demonstrieren, will er sie nötigen, den einfältigen Grafen von Mogge (Manuel Talarico) zu heiraten und die Schriftstellerei aufzugeben. Daraufhin stürzt Luise sich durch ein Fenster in den Burggraben. Nach diesem Vorfall behandelt der junge, attraktive Arzt Dr. Büchner (Wolf Danny Homann) Luise. Er verliebt sich augenblicklich in die junge Frau. Indes eskaliert der Streit zwischen Luise und Veit – es kommt zur Katastrophe.

  • Regiekommentar

    Das Deutsche Kaiserreich am Ende des 19. Jahrhunderts war eine Gesellschaft, die in ihren Schichten wenig durchlässig war, mit einer weiten Schere zwischen Arm und Reich. Was alle gesellschaftlichen Schichten und politischen Lager vereinte, war das Patriarchat. Gegenüber dieser misogynen Gesellschaft formierte sich die erste Frauenbewegung, die sich harschen Schikanen und purem Hass gegenübergestellt sah. Die Mehrheit der Deutschen war nicht bereit, gesellschaftlich etwas Neues zu wagen. Parallel zu diesem gesellschaftlichen Stillstand gab es paradoxerweise eine große Begeisterung für den technischen Fortschritt.
    Die Parallelen zu heute sind kaum zu übersehen, ebenso lassen sich Bezüge zwischen sexistischen und rassistischen Mustern der damaligen und der heutigen Gesellschaft herstellen. Daher ist es nicht nur interessant, sondern vielleicht sogar notwendig, sich mit dieser Zeit auseinanderzusetzen und einen Bogen von unserer Jetztzeit in die Vergangenheit und zurück zu spannen. (Mark Lorei)

Regisseurangaben

Mark Lorei

Mark Lorei - ©Mark Lorei

Mark Lorei

Geboren 1986 im Münsterland. Er studierte Geschichte an der Universität Münster mit dem Schwerpunkt Visual History. 2008 gründete er das Filmkollektiv „fettepolarelipide filme“, in dem er bis 2015 über 20 Kurz- und Experimentalfilme realisierte. Von 2015 bis 2017 absolvierte er ein Volontariat im Landesmedienzentrum für Westfalen. Er arbeitet als Filmemacher, Autor und Historiker.

Filmografie

2015
SAPPHO
2017
SIEBEN STECKNADELN
2018
PREUSSEN & WESTFALEN
2020
HAUS KUMMERVELDT
Regie
Mark Lorei
Buch
Cecilia Röski, Mark Lorei
Kamera
Henning Wirtz
Montage
Jana Stallein
Ton
Florian Högerle
Ausstattung
Céline Ahlbrecht
Kostüm
Emily Schumann
Cast
Milena Straube, Marcel Becker-Neu, Leonie Rainer, Wolf Danny Homann, Justine Hauer u. a.
Produzenten
Mark Lorei, Lotte Ruf
Koproduktion
Filmwerkstatt Münster, Centre for Literature, Fachhochschule Dortmund, GUCC grafik & film, LWL-Medienzentrum für Westfalen, Kultur Kreis Coesfeld
Förderung
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, LWL-Kulturstiftung, EFRE.NRW
Website
www.hauskummerveldt.de