HERRENPARTIE
Regie: Wolfgang Staudte
Regie: Wolfgang Staudte
Deutschland, Jugoslawien 1964 | 35 mm | s/w | 93 Min.
„Angeklagt allein ist der Krieg. … Opfer des Krieges sind nicht nur die Toten.“ (Wolfgang Staudte) In Kooperation mit der Wolfgang Staudte Gesellschaft präsentiert das Festival Max Ophüls Preis die jährliche Hommage an den in Saarbrücken geborenen Regisseur mit seinem Film HERRENPARTIE aus dem Jahr 1964. Nach der Vorstellung lädt die Wolfgang Staudte Gesellschaft zu einer Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Ulrike Weckel von der Universität Gießen ein.
Ein deutscher Männergesangsverein macht sich mit dem Bus auf nach Jugoslawien, um dort Urlaub zu machen. Doch mitten im Nirgendwo geht ihnen das Benzin aus. Nach einem kurzen Fußmarsch kommen sie in ein kleines Dorf, in dem ausschließlich Frauen wohnen – die Männer wurden im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen erschossen. Schnell spitzt sich die Situation zwischen den Urlaubern und den Einheimischen zu – und die Verstrickungen der Männer in die NS-Verbrechen kommen immer mehr ans Licht.
Regie: Wolfgang Staudte Buch: Werner Jörg Lüddecke Kamera: Nenad Jovici Schnitt: Carl Otto Bartning Musik: Zoran Hristi Ton: Alfred Enz Ausstattung, Kostüm: Mira Cohadzi Darsteller: Hans Nielsen, Götz George, Gerlach Fiedler, Friedrich Maurer, Reinhold Bernt, Rudolf Platte, Herbert Tiede, Gerhard Hartig, Mira Stupia u. a. Produzent: Rüdiger von Hirschberg Produktion: Neue Münchener Lichtspielkunst GmbH (Neue Emelka), Avala Film Verleih: Deutsche Kinemathek
FSK: ab 12 Jahren
Grußwort von Uschi Schmidt-Lenhard, 1. Vorsitzende der Wolfgang Staudte Gesellschaft:
"Staudte war ein politischer, engagierter Regisseur, der Aufklärungsarbeit geleistet hat und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wollte, der in seinen Antikriegsfilmen explizit das System Krieg analysiert und kritisiert hat. Und zwar ethisch und überzeitlich. Er hat aufgezeigt, wie der Krieg für den Einzelnen funktioniert (DIE MÖRDER SIND UNTER UNS, der erste deutscher Nachkriegsfilm, 1946). Ist der Krieg da, ist es zu spät für moralische Positionen. In ROTATION 1949 hat er gezeigt, wie die zunehmende Verarmung der Menschen den Boden bereitet für Totalitarismus. In DER UNTERTAN (1950) ging Staudte geschichtlich weiter zurück. Er zeigte, wie Untertanenmentalität und Militarismus die Vorboten waren für die beiden Weltkriege. ROSEN FÜR DEN STAATSANWALT (1959) griff das Motiv von DIE MÖRDER SIND UNTER UNS wieder auf und übertrug es auf die Nachkriegsgesellschaft. KIRMES (1960) erzählt die Geschichte des jungen Deserteurs, der nicht mehr entrinnen kann, und die Wiederaufrüstung in Deutschland, HERRENPARTIE (1964) entlarvt die Feindbildkonstruktion im System Krieg und plädiert für Völkerverständigung, wenn man Frieden haben will. Auch in Überwindung des Kalten Krieges und der Einteilung der Welt in Ost und West. In diesen Zeiten, in denen wohl wieder zu viel an Wehrpflicht und zu wenig an Diplomatie gedacht wird, in denen man wieder öffentlich unbescholten von Kriegstüchtigkeit reden kann, in diesen Zeiten ist ein Regisseur wie Staudte wieder besonders wichtig. Und zwar in seiner Aktualität als unbequemer, politischer Mensch, der sich einmischt. Ilija Trojanow, der sich übrigens als Staudte-Fan bezeichnet, hat uns für unsere Website seine Rede aus dem Jahr 2022 zur Verfügung gestellt. Darin schrieb er: „Wenn wir wissen, oder zumindest wissen sollten, wie sehr der Krieg alles negiert, was uns wertvoll ist, wieso bekämpfen wir ihn nicht entschiedener in Friedensszeiten?“
Regie-Biographie

Wolfgang Staudte - Kurt Ulrich Film, Comptoir d'Expansion Cinématographique (C.E.C)
Wolfgang Staudte
Geboren 1906 in Saarbrücken, gestorben 1984 in Maribor, Slowenien. Er begann in den 1930er Jahren als Regisseur zu arbeiten. Mit dem DEFA- Spielfilm DIE MÖRDER SIND UNTER UNS schuf er 1946 den ersten deutschen Nachkriegsfilm überhaupt. 1975 wurde ihm das Filmband in Gold für sein langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film verliehen. DER SNOB war sein letzter Fernsehfilm.




