Neubau

Markus (Tucké Royale) lebt in der Brandenburger Provinz. Seine Mutter ist früh verstorben, der Vater ging schon vor seiner Geburt in den Westen. Als Familie bleiben ihm seine geliebte Großmutter Alma (Jalda Rebling) und deren Partnerin Sabine (Monika Zimmering). Die beiden wohnen ein paar Dörfer weiter und sind auf ihn angewiesen: Alma, weil sie dement ist, und Sabine, weil sie eine Schulter zum Anlehnen braucht. Doch eigentlich sind die Kisten in Markus‘ Neubauwohnung schon gepackt für den erhofften Umzug nach Berlin. Auf den Feldern, beim Joggen und Autofahren befällt Markus immer wieder die Sehnsucht nach einem Leben fernab der Provinz, wo sein Job „mini“ ist und er sich die Zeit mit einem gelegentlichen Grindr-Date vertreibt. In Tagträumen erscheint ihm eine Schar schillernder Dämonen als Vorboten einer urbanen Wahlfamilie, die ihn aus seiner Einsamkeit befreit.
Als sich Almas gesundheitlicher Zustand verschlechtert und er sich in den jungen Fernsehtechniker Duc (Minh Duc Pham) verliebt, muss sich Markus entscheiden, wo er in Zukunft leben möchte.

  • Regiekommentar

    Der vorliegende Film ist der Versuch einer Übersetzung ohne Verallgemeinerung. Er bemüht sich die Lebenswelt einer sehr besonderen Figur in allen Aspekten sichtbar zu machen, ohne gleichzeitig den Abgleich mit einer dazu in Konflikt stehenden Norm zu suchen. Nach Möglichkeit haben wir das Genre des Coming-Out-Dramas umschifft und stattdessen versucht, Menschen auf dem Land in konkreten Beziehungen und in immer neuen Alltagen zu zeigen. Inspiriert von der Zeitlichkeit der Landschaft, in der der Film spielt, werden Wendepunkte entsprechend nicht scharfkantig dramatisiert, sondern gleichsam sanft von Hügel zu Hügel getragen. Commitment und Fürsorge sind die ethischen Werte innerhalb der Erzählung, die dieser Ästhetik zu Grunde liegen.
    Einen Lebensentwurf wie den der Hauptfigur mit Selbstverständlichkeit zu erzählen, ohne wiederum dessen Prekarität zu unterschlagen, scheint mir die dramaturgische wie politische Herausforderung der Stunde. (Johannes Maria Schmit)

Regisseurangaben

Johannes Maria Schmit

Johannes Maria Schmit - ©Jürgen Dakar

Johannes Maria Schmit

Geboren 1981 in Trier. Er studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, wo seine Abschlussarbeit von René Pollesch betreut wurde. Nach seinem Studium war er Hausregisseur am Centraltheater Leipzig, seit 2011 arbeitet er als freier Regisseur und Performer im deutschsprachigen Raum sowie in der skandinavischen Theaterszene. Zur Zeit ist er Doktorand an der Kunsthochschule Uniarts in Stockholm. NEUBAU ist seine erste Filmarbeit.

Filmografie

2019
NEUBAU
Regie
Johannes Maria Schmit
Buch
Tucké Royale
Kamera
Smina Bluth
Montage
Antonella Sarubbi
Musik
Nguyễn Baly, Tara Transitory
Ton
Birte Gerstenkorn, Azadeh Zandieh
Ausstattung
Louis Krüger, Maja Avnat
Kostüm
Louis Krüger, Maja Avnat
Cast
Tucké Royale, Monika Zimmering, Jalda Rebling, Minh Duc Pham
Produzenten
Producer: Fabian Altenried
Produktion
Schuldenberg Films
Förderung
Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Hauptstadtkulturfonds (HKF), In Kooperation mit HAU Hebbel am Ufer
Verleih
Edition Salzgeber