Dienstag, 5. November 2019

Ehrenpreisträger 2020: Rosa von Praunheim

Zum neunten Mal vergibt das Filmfestival Max Ophüls Preis einen Ehrenpreis für Verdienste um den jungen deutschsprachigen Film. Mit Rosa von Praunheim zeichnet das Festival eine Ikone des deutschen Independentfilms aus, dessen filmisches und gesellschaftliches Wirken Generationen von Künstler·innen geprägt und inspiriert hat.

Ehrenpreisträger 2020: Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim - Rosa von Praunheim / ffmop

Rosa von Praunheim - Rosa von Praunheim / ffmop

Rosa von Praunheim - Rosa von Praunheim / ffmop

Zahllose Beiträge in den vergangenen 40 Jahren unseres Nachwuchsfilmfestivals wären ohne den Einfluss und das Wirken Rosa von Praunheims nie entstanden. Für die jungen Talente, aber auch für unsere Gesellschaft stellt er in seinem vielschichtigen Schaffen ein unbedingtes Vorbild dar“, so Festivalleiterin Svenja Böttger. „Wir freuen uns sehr, Rosa von Praunheim für seine Inspiration und seine Ermutigung an uns alle, Kunst aus dem Herzen zu schöpfen, mit dem Ehrenpreis des Festivals auszeichnen zu dürfen.“

Seit 1967 dreht Rosa von Praunheim bis heute rund 150 Kurz- und Langfilme, inszeniert an Oper und Theater, schreibt Bücher und Gedichte, malt, zeichnet, fotografiert und engagiert sich als Aktivist. Mit seinen beiden 1970/71 entstandenen Filmen DIE BETTWURST und NICHT DER HOMOSEXUELLE IST PERVERS, SONDERN DIE SITUATION, IN DER ER LEBT gelang Rosa von Praunheim nicht nur der Durchbruch in der Filmszene: Beide Filme lassen ihn zum öffentlichen Wegbereiter der Schwulenbewegung in Westdeutschland werden. Bis heute thematisieren seine Filme auf vielfältigste Art Aspekte queeren Lebens in Deutschland in formal stets virtuosen Variationen filmischer Erzählformen. Seine direkte, absolut persönliche und teils unkonventionelle Art, auch Tabuthemen zu erzählen, führen zu einem Œuvre, das unterhaltsam und zugleich gesellschaftlich extrem relevant ist. International hoch geschätzt, laufen Rosa von Praunheims Filme weltweit in Kinos und auf Festivals. Für TALLY BROWN, NEW YORK erhält er 1979 den Bundesfilmpreis, er wird u.a. mit Teddy Award, Berlinale Kamera und Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Mit seinem Ansatz, in der Kunst den Ausdruck des Persönlichen zu finden, inspiriert Rosa von Praunheim seit Ende der 1960er Jahre zahllose Künstler·innen und Filmemacher·innen und unterstützt sie in ihrer Entwicklung. Zwischen 2001 und 2006 lehrt er an der Filmuniversität Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg, wo er u.a. Julia von Heinz, Axel Ranisch und Robert Thalheim (Förderpreis Langfilm 2015 für NETTO beim Filmfestival Max Ophüls Preis) unterrichtet. Gemeinsam mit Tom Tykwer und Chris Kraus erzählen sie im Film ROSAKINDER (2012) von ihren außergewöhnlichen Erfahrungen mit den Methoden Rosa von Praunheims. 

Der Ehrenpreis wird zur Eröffnung am 20. Januar 2020 vergeben werden. Rosa von Praunheim zu Ehren zeigt das Filmfestival Max Ophüls Preis vier seiner Filme, die er persönlich bei den Vorführungen in Publikumsgesprächen begleiten wird.